Erlöse stagnieren wegen niedriger Zinsen.

Raiffeisenbanken konnten Bilanzsumme steigern - Online-Banking legt weiter zu!

(Pressebericht vom 01.04.2015 - Paul Götz - mit freundlicher Genehmigung der Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung).

Die Genossenschaftsbanken gehören momentan zu den Branchengewin­nern. Da machen die Raiffeisenban­ken im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach keine Ausnahme. Im Gegenteil: Mit einem Anstieg der Bilanzsumme im abgelaufenen Geschäftsjahr von 4,3 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro lagen die drei Kreisver­bandsbanken über dem bayerischen Schnitt (3,5 Prozent). Wegen der niedri­gen Zinsen stagnieren aber die Erlöse. Für das kommende Jahr hat man sich deshalb nicht nur vorgenommen, Marktanteile dazuzugewinnen, son­dern macht sich ab sofort daran, Struk­turen zu verändern, um Kosten zu sen­ken.
  LANDKREIS ROTH/SCHWA­BACH — Über das bisher übliche Maß hinaus wird analysiert, wie man den Betrieb effektiver gestalten kann. Da geht es um die Schaffung von Schwer­punkten in bestimmten Filialen, die Personalbesetzung oder die Öffnungs­zeiten. Das Wort „Filialschließung“ nahm der Kreisvorsitzende Erwin Grassl nur mit Verneinung in den Mund: „Die Fläche ist unsere Stärke, die wollen wir nicht aufgeben.“ Ausgangspunkt des jetzt anlaufen­den Projektes ist, dass mittlerweile die Hälfte aller Geschäftsvorfälle onli­ne abgewickelt werden. Über den jüngsten Spross „Smartphone-App“ wurden im letzten Quartal 2014 über 100000 Zugriffe verzeichnet. Die Rai­bas wollen ihre Ressourcen deshalb verstärkt auf Spezialberatungen kon­zentrieren, wegen der Zinsen fast am Nullpunkt hauptsächlich in Richtung Sachwerte. Darüber hinaus versicher­te Erwin Grassl: „Wir können nur sagen, wir werden uns bemühen, solange es irgendwie geht, keine Nega­tivzinsen zu verlangen.“
 
Gute Geschäfte

Die Zinsspanne konnte im Ver­gleich zum Vorjahr mit 2,34 Prozent immerhin fast gehalten werden. Grassl: „Wir haben noch gute Geschäf­te in unseren Büchern.“ Im Kreisverband sind die Raibas Roth-Schwabach, Rothsee und Gre­ding- Thalmässing zusammengefasst, die im Verhältnis von etwa 3:1:1 an der Bilanzsumme beteiligt sind. Erwin Grassl und sein Stellvertreter Georg Peter waren sich bei der Vorstel­lung des Geschäftsergebnisses darin einig, dass der Verband eine gute Aus­gangsposition für das nächste Geschäftsjahr hat, es gelte aber auch, schwierige Begleiterscheinungen zu meistern.
Was den Banken am meisten zu schaffen macht, ist das niedrige Zins­niveau. Da viele Kunden weiterhin auf Betongold setzen, ist die Nachfra­ge nach Baufinanzierungen ungebro­chen expansiv. Etwa 80 Prozent der Privatkundenkredite werden zum Kauf oder zur Modernisierung von Immobilien verwendet. Neue Abschlüsse in der Baufinanzierung erreichten einen Umfang von über 100 Millionen Euro, Kredite an Firmen­kunden knapp 70 Millionen. Das Kre­ditvolumen stieg seit 2013 um 36 Mil­lionen (plus 5,6 Prozent) auf 682 Mil­lionen Euro. Die Diskrepanz aus den Summen ergibt sich dadurch, dass Kredite ausliefen oder nach Ablauf der Zinsbindung mit anderen Kondi­tionen verlängert wurden.
Letzteres freut den Kunden, macht den Bankern aber Sorgen. Ihre Zins­spanne erhöhte sich um 500000 auf 29,9 Millionen Euro, die Provisions­spanne fiel um etwa diese Summe, die Personalkosten stiegen, sodass das Betriebsergebnis von 14 Millionen um 100000 Euro niedriger ausfiel als 2013. Da die Niedrigzinsphase nach Einschätzung der Banker noch min­destens fünf Jahre anhält, müsse man sich voraussichtlich mit niedrigeren Ergebnissen zufrieden geben.
 
 Eigenkapital aufgestockt

  „Die Erlöse stagnieren, das ist die Herausforderung für die nahe Zukunft“, fasste Georg Peter diesen Teil der Bilanz zusammen. „Momen­tan geht es uns noch ganz gut“, war der Kommentar zu der Aufstockung des Eigenkapitals. Das wurde um 9,5 auf 112,5 Millionen erhöht. Die Eigen­kapitalquote übertrifft mit 17 Prozent bei weitem die Anforderungen (momentan acht). Da hat man noch viel Spielraum zu der bevorstehende Erhöhung auf 11,5 Prozent. Die Solidi­tät des Geschäftsmodell spiegelt sich im Aufwärtstrend der Mitgliederzahl wider. Sie stieg um 455 auf jetzt knapp 23000.
Positive Zahlen kommen vom Kun­denanlagevolumen. Es stieg um 5,3 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Bei den Anlagen in Wertpapierdepots und Investmentfonds als auch bei der Bau­sparkasse wurden nahezu zweistellige Wachstumsraten erreicht.
Die Raiffeisen-Waren-Märkte in Hilpoltstein und Georgensgmünd erzielten im Geschäftsjahr 2014 einen Rekordumsatz von 13,6 Millionen Euro. Dies entspricht einer Umsatz­steigerung von knapp zwei Prozent.
Im Agrarbereich führten stabile Umsätze in allen Sortimenten zu einem guten Ergebnis. Im Getreide­geschäft wurde ein Umsatzplus von über acht Prozent eingefahren. Die Warenmärkte entwickelten sich mit einer Umsatzsteigerung von knapp zwölf Prozent überdurchschnittlich positiv. Im Heizölgeschäft war witte­rungs- und preisbedingt ein Umsatz­rückgang von knapp 15 Prozent hinzu­nehmen.
Die drei Raiffeisenbanken im Kreis­verband beschäftigen 348 Mitarbeiter und bieten 18 Ausbildungsplätze an. Diese sind immer schwerer zu beset­zen. „Ich erinnere mich an Zeiten, als wir für fünf bis zehn Stellen dreistelli­ge Bewerberzahlen hatten. Jetzt bekommen wir 30 bis 40, dafür müs­sen wir aber intensiv werben“, beschreibt Grassl die Entwicklung. Ursache für das gesunkene Interesse an der Banklehre sei nicht nur der durch die Wirtschaftskrise gesunkene Status des Berufes, sondern auch der Trend der Realschulabsolventen über FOS und Studium einen höheren Bildungsabschluss anzustreben.
 
20 Tage monatlich

Bei der angestrebten Kostensen­kung funkt die Bankenregulierung dazwischen. „Wir müssen da einen unglaublichen bürokratischen Auf­wand betreiben“, klagt Erwin Grassl. Die Meldevorgaben ergeben einen monatlichen Aufwand von 20 Tagen pro Bank – oft handschriftlich, denn die dafür vorgesehene Software wird frühestens 2018 fertig.
Am gestrigen Dienstag bekam der Verband erstmals auch Besuch aus Berlin. Unter die Lupe genommen wurde dabei unter anderem die Anlageberatung.