Raiffeisenbank Roth-Schwabach hat die vielleicht aufregendsten Monate ihrer 127-jährigen Geschichte hinter sich.

ROTH/SCHWABACH – Was für ein Jahr! Die Raiffeisenbank Roth-Schwabach hat die vielleicht aufregendsten Monate ihrer 127-jährigen Geschichte hinter sich.

Erst die geplatzte Fusion mit den Genossen aus dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, die für viele überraschend kam, nachdem (fast) alles schon in trockenen Tüchern zu sein schien.

Dann die personellen Veränderungen: Vorstandsmitglied Erwin Grassl ging in den Ruhestand, Eigengewächs Richard Oppelt rückte nach. Im Aufsichtsrat nahm Uwe Feser (Schwabach) seinen Hut, Marc Pröchel (Schwanstetten) wurde an seine Stelle befördert.

Und dann: Corona.

Überraschend erfreulich

Ein schwieriges Jahr also? „Ein sehr schwieriges Jahr“, sagt Raiffeisenbank-Vorstandsvorsitzender Dr. Carsten Krauß bei der Vorstellung der Jahresbilanz im Rahmen eines Pressegesprächs. „Aber auch ein überraschend erfreuliches 2020.“ Ein starker Endspurt im zweiten Halbjahr, eine „enorme Teamleistung“ der 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein „überzeugendes Kundengeschäft“ hätten letztendlich doch noch für ein gutes Ergebnis gesorgt.

Rund zehn Millionen Euro blieben unter dem Strich übrig. „Das ist noch gut“, sagt Krauß. „Aber die Herausforderungen sind so groß, dass wir es in diesem Jahr vermutlich nicht mehr erreichen können.“

Diese von Krauß beschriebenen Herausforderungen lassen sich vor allem an zwei Begriffen festmachen: Bankenaufsicht und Zinsentwicklung. Die Bankenaufsicht ziehe die Daumenschrauben noch weiter an, klagte der Vorstandschef. Das sei den schwarzen Schafen der Branche geschuldet, führe aber vor Ort zu einem „riesigen bürokratischen, zum Teil sinnfreien Verwaltungsaufwand“. Krauß: „Bei uns sind fünf Leute nur mit regulatorischen Dingen beschäftigt.“

Negativzinsen belasten

Mindestens ebenso so stark belastet sind Banken und Sparkassen – vor allem Einlagebanken wie die Raiffeisenbank – durch anhaltende Negativzinsen der Europäischen Zentralbank. Damit ist eine der drei tragenden Säulen des klassischen Bankgeschäfts völlig weggebrochen. Übrig blieben die Erträge aus dem nach wie vor sehr starken Kredit- und aus dem weiter wachsenden Verbundgeschäft. Bei letzterem kassiert die Raiffeisenbank Provisionen, wenn Kunden beispielsweise bei den Partnern von Union Invest oder Schwäbisch Hall in Aktien, Aktienfonds, Rentenfonds, Immobilienfonds, Anleihen oder Bausparverträgen investieren.

Mit dem Kredit- und dem Verbundgeschäft ist Krauß sehr zufrieden. Die dritte Ertragssäule, das Zinsgeschäft, werde wohl noch auf Jahre hinaus in Trümmern liegen, fürchtet er.

Die Bank wird digitaler

Die Erträge insgesamt sind deshalb unter Druck. Gleichzeitig müssen alle Banken, muss also auch die Raiffeisenbank viel Geld in die Hand nehmen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Stichwort: Digitalisierung. „Die stärkste Filiale ist längst unsere Internet-Filiale“, macht Vorstandsmitglied Richard Oppelt deutlich.

Schon jetzt muss man für viele Bankgeschäfte keine echte Filiale mehr betreten. Der Trend wird sich fortsetzen, deshalb will die Raiffeisenbank Roth-Schwabach ihr Kunden-Service-Center in Georgensgmünd zu einem Kunden-Dialog-Center (KDC) ausbauen. 80 Prozent aller Dienstleistungen könnten von dort bald erledigt werden, schätzt Krauß.

Die Bank braucht vor allem neue Ideen, wie sie junge Leute an sich binden kann. Sie will sie dort abholen, wo sie sich ohnehin schon tummeln: auf Social-Media-Kanälen wie Instagram beispielsweise, wie die neue Marketing-Chefin Annika Leppert sagt.

Dennoch werde die Raiffeisenbank vor Ort präsent bleiben, verspricht Carsten Krauß. Anfang April schließen zwar die zwei kleinen Zweigstellen in Eckersmühlen und Rednitzhembach (wir berichteten), doch dabei soll es dann vorerst einmal bleiben. Denn: „Der direkte Kontakt zu unseren 40 000 Kundinnen und Kunden ist uns wichtig“, so der Vorstandsvorsitzende.

Zu einer reinen Internetbank will die Raiffeisenbank also nicht werden, dafür sieht man sich in der Region zu sehr verwurzelt, dafür nehme man auch den regionalen Förderauftrag viel zu ernst.

Dieser Förderauftrag bedeutet nicht nur, Wirtschaft und Privatkunden mit Krediten zu versorgen. Es geht auch darum, sich über das Kerngeschäft hinaus zu engagieren. Die Raiffeisen-Stiftung ist inzwischen mit einem Kapitalstock von 1,66 Millionen Euro ausgestattet. Mit den Erträgen daraus lässt sich manch Gutes tun. Über 70 000 Euro wurden im Vorjahr verteilt, an Alten- und Pflegeeinrichtungen zum Beispiel, an das Rother Tierheim, an die Caritas-Sozialstation Abenberg-Spalt. Heuer will man in Kooperation mit dem Landratsamt nahe Bernlohe eine Blumenwiese anlegen (lassen), „Nachhaltigkeit ist nun mal ein Megatrend, auch bei uns“, so Annika Leppert.

Corona hat der Bank zwar einen Digitalisierungsschub verpasst. Doch insgesamt sei man bisher glimpflicher davon gekommen als während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 befürchtet, betont Krauß. Es habe in den vergangenen Monaten keine nennenswerten Kreditausfälle gegeben, „das Risiko ist allerdings auch breit gestreut“, wie Marc Pröchel betont. „Darauf legen wir vom Aufsichtsrat großen Wert.“

Bessere Aussichten?

Und die weiteren Aussichten für das laufende Jahr? „Es gibt Risiken wie die Angst vor einer höheren Inflation“, erklärt Richard Oppelt vom Vorstand. Die Lage vieler Unternehmen sei derzeit nicht gut. Doch die Aussichten würden sich verbessern. Die Raiffeisenbank will ihren Teil dazu beitragen, dass aus guten Aussichten auch wieder bessere Bilanzen werden. Der sportaffine Vorstandschef Krauß: „Wir setzen auf kontrollierte Offensive. Damit sind wir bislang gut gefahren.“ ROBERT GERNER

 

(Mit freundlicher Genehmigung des Schwabacher Tagblattes)

(Bild: v. l. Marc Pröchel, Aufsichtsratsvorsitzender, Dr. Carsten Krauß, Vorstandsvorsitzender, Annika Leppert, Marketingleiterin, Richard Oppel, Vorstand)

Raiffeisenbank: Das Corona-Jahr in nackten Zahlen

Die Raiffeisenbank Roth-Schwabach kam 2020 auf eine Bilanzsumme von etwa 1,16 Milliarden Euro. Ein Plus von neun Prozent. Sie ist damit die fünftgrößte der 23 mittelfränkischen Genossenschaftsbanken.

190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit betreuen ein Kundenanlagenvolumen in der Größenordnung von 1,6 Milliarden Euro (plus zehn Prozent).

Das Kreditvolumen (inklusive Kreditvermittlungen) stieg um acht Prozent auf 854 Millionen Euro, das Einlagenvolumen um 13 Prozent auf 930 Millionen Euro.

Um gegen Risiken besser abgesichert zu sein, erhöhte die Bank ihr Eigenkapital auf 111 Millionen Euro.

Unter dem Strich blieb ein vorläufiges Betriebsergebnis von rund 10 Millionen Euro.

Der Rückzug großer Geschäftsbanken aus der Fläche und einige andere Faktoren haben der Raiffeisenbank Roth-Schwabach 2020 einen Kundenzuwachs um 1600 auf 39 668 beschert. Heuer soll der 40 000. begrüßt werden. Die 40 000 Kunden teilen sich auf in Privat- (35 000) und Firmenkunden (5 000).

Die Raiffeisenbank Roth-Schwabach gehört 14 000 Mitgliedern , die Anteile gezeichnet haben. Sie können sich in diesem Jahr möglicherweise über zwei Dividenden-Ausschüttungen freuen. Denn: Die Auszahlung für das Geschäftsjahr 2019 war im Zuge der Corona-Pandemie auf Geheiß der Aufsichtsbehörden 2020 zurückgestellt worden, soll 2021 aber nachgeholt werden.

Die Raiffeisenbank hat bislang noch elf analoge und eine Internet-Filiale sowie ein in Georgensgmünd angesiedeltes Kunden-Service-Center. Anfang April werden allerdings die Außenstellen Eckersmühlen und Rednitzhembach schließen. Dort ist dann nur noch ein Geldautomat verfügbar. rog