Die Bilanzmilliarde ist schon in Sichtweite

Raiffeisenbank Roth-Schwabach erfreut sich eines hervorragenden Geschäftsjahres 2017 — Umzug in Neubau

ROTH — Die Zinswende will und will nicht kommen. Auch für das Kerngeschäft der Raiffeisenbank Roth-Schwabach ist dieser Umstand Gift. Trotzdem dürfen die Banker jubeln: Bei der mit rund 230 Gästen so gut wie nie besuchten Vertreterversammlung in der Rother Kulturfabrik blickte Vorstandsvorsitzende R Carsten Krauß auf 2017 als "hervorragendes Geschäftsjahr" zurück. Mit einer Bilanzsumme in Milliarden- dank Kundennähe.

Das starke Wachstum habe man nämlich gerade dem Kundengeschäft zu verdanken, betonte Krauß. Die Kreditvergaben steigerten sich um 10,1 Prozent auf 543 Euromillionen – das ist neuer Wachstumsrekord! Und das obwohl seitens der Kunden auch viel getilgt worden sei und der Bankenwettbewerb an Aggressivität zugelegt habe.

Auch bei den im Verbund langfristig verliehenen Gelder ging es fast mit dem gleichen Prozentsatz nach oben. "Ein hartes Stück Arbeit", so der Vorsitzende. Sie hat sich aber gelohnt: 934 Millionen Euro galt es unterm Bilanzstrich zu verbuchen (Steigerung um 4,3 Prozent), die Milliardengrenze hofft die Genossenschaftsbank in zwei Jahren zu überspringen.

Die Kundeneinlagen wuchsen trotz Niedrigzinsphase auf 736 Millionen Euro. Eine moderate Steigerung um 3,2 Prozent. Doppelt so stark steigerte sich die Nachfrage nach angebotenen Anlagen wie Wertpapieren oder Vorsorgelösungen, die bessere Rendite versprechen.

Und nicht zuletzt darf sich die Bank über einen Rekordzuwachs von 1760 Neukunden freuen, hier erhöhte sich die Steigerungsrate um 10,9 Prozent. Das ist auch der große Trumpf, mit dem die Raiba weiter punkten will – der direkte Kontakt zu den Menschen, der Vertrauen schaffe und sie zu Kunden werden lasse.

"Deswegen sind die Geschäftsstellen so wichtig und werden wir nie eine Internetbank", so Krauß. Denn die Geschäfte ergäben sich in entspannter zwischenmenschlicher Atmosphäre am besten, "das ist wie beim Golf". Weniger entspannt gerät laut Vorsitzendem der Blick in die Zukunft: Die Bankenaufsicht werde wohl an Schärfe zulegen, die Zinspolitik immer stärkere negative Folgen nach sich ziehen und der Konkurrenzdruck nicht geringer. Zudem zeichne sich ein Einknicken der allgemeinen Konjunktur ab, deren Bugwelle man jetzt noch nutzen könne. Drum heiße es "gut und gesund zu wachsen".

2017 sei das gelungen. Die Eigenkapitalsquote wurde entsprechend erhöht, das Rating ist äußerst zufriedenstellend. Doch die Rahmenbedingungen brächten es auch mit sich, dass "wir uns nicht selbstzufrieden ausruhen können – denn die Topergebnisse kommen nicht mehr." Es heiße, sich neu aufzustellen, die ohnehin schon gute Kundenorientierung noch zu stärken, Prozesse zu verschlanken.

Die Raiba werde bald "nicht mehr so aussehen wie jetzt". Personell setzt man auf Nachwuchsförderung im neuen Förderpool und auf den neuen Prokuristen Richard Oppelt. Im Dezember soll zudem das neue Raiba-Center in Schwabach bezogen werden. "Da haben wir freigewordene Wertpapiere in Beton investiert", so Krauß.

Die Leistungen sollen so schneller und die Wege kürzer werden. An einem aber werde nicht gerüttelt: "Die Filialen bleiben!" So sicherte es der Vorsitzende zu, "wir müssen sie nur etwas anders aufstellen." Denn die Ausrichtung auf die Kunden "ist die einzige Chance, die wir haben." Wie die Zahlen nahelegten, gab es auch für den Aufsichtsratsvorsitzenden Uwe Feser in seinem Bericht keinen Grund zur Klage. Man habe in einem "anstrengenden Jahr nicht gejammert, sondern die Marktposition ausgebaut." Auch die Prüfung durch den Genossenschaftsverband Bayern habe keine Beanstandungen ergeben. Er hätte der Bank ein angemessenes Risikomanagement, eine verbesserte Ertrags- und eine solide Vermögenslage attestiert.

Für Feser und seine Ratskollegen folgte 2017 dem Trend der vergangenen Jahre: Die Sitzungen werden länger und mehren sich. Deswegen wurde nun das Budget hierfür von 30000 auf 46500 Euro erhöht – die Sätze aber blieben gleich.

Beim Beschluss darüber gab es eine Enthaltung, eine Gegenstimme (bei 106 Stimmberechtigten) war gar bei der Entlastung des Vorstands zu verzeichnen. Alle weiteren fünf Beschlüsse wurden einstimmig gefasst.

Darunter auch der über die Verwendung des Jahresüberschusses von 3,54 Millionen Euro. Der Großteil fließt in die Rücklagen, so dass ein Bilanzgewinn von fast 638 000 Euro verbleibt. Von ihm sollen 378000 Euro an die Mitglieder ausgezahlt werden. Das entspreche einer Dividende von 3,5 Prozent aufs Geschäftsguthaben. "Eine solche Rendite finden sie anderswo kaum," konnte sich Krauß nicht verkneifen. Für seinen Vertreter Erwin Grassl galt es noch weitere der insgesamt 15 Tagesordnungspunkte abzuarbeiten. So musste aufgrund von Änderungen im Genossenschaftsgesetz unter anderem die Satzung geändert werden.

In ihren Ämtern bestätigt wurden die Aufsichtsratsmitglieder Jürgen Paulus und Marc Pröchel. Zugestimmt wurde der Verschmelzung einer Beteiligungsgesellschaft als ehemaliges Tochterunternehmen mit der Raiba Roth Schwabach eG, was unter anderem steuerliche Gründe hatte.

Lob für die Bank gab’s von Schwabachs Oberbürgermeister Thürauf: Eigentlich hätte es der Bank bei diesen Rahmenbedingungen "kalt um die Füße werden müssen." Umso erstaunlicher, dass sie kein "depressives Ergebnis" eingefahren, sondern Rekorde hingelegt haben: Hier "klappt einfach alles...".

JÜRGENLEYKAMM