Vertreterversammlung 23.06.2020

Mit Fettpolster durch raue Zeiten

Bei der RAIFFEISENBANK ROTH-SCHWABACH freut man sich trotz Corona, Negativzinsen und geplatzten Fusionen über eine gute Jahresbilanz.

VON ROBERT GERNER SCHWABACH/ROTH. Bizarr? Skurril? Es war in jedem Fall die ungewöhnlichste Vertreterversammlung, die es in der Geschichte der Raiffeisenbank Roth-Schwabach je gegeben hat. Vorstand und Aufsichtsrat thronten auf der Bühne des Schwabacher Markgrafensaals, unten standen rund 80 Einzeltische für die Vertreter der Bank-Eigentümer, die Genossenschafts- Anteile gezeichnet haben. Zwei Stunden lang herrschte strikte Maskenpflicht. Entbunden war nur derjenige, der das Mikrophon in den Händen hielt.

Bei einigen der neun Tagesordnungspunkte war Uwe Feser dieser Glückliche. Allerdings war es für ihn die letzte Vertreterversammlung. 15 Jahre lang hatte der Chef der gleichnamigen Autohaus-Gruppe dem siebenköpfigen Aufsichtsrat angehört, elf Jahre lang als Vorsitzender dieses Kontrollgremiums. Zur jetzt anstehenden Wahl trat er nicht mehr an. Der 60-Jährige möchte mehr Zeit für die Familie haben. Für ihn rückte der Rednitzhembacher Unternehmer und Kommunalpolitiker Ralf Schmidt nach.

Vorstand wird verkleinert

Bestätigt wurde in seinem Amt als Aufsichtsrat Gerd Jungmeier aus Wassermungenau. Der 63-Jährige ist schon seit 30 Jahren dabei, zuletzt und auch künftig als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Neuer Aufsichtsratschef wird Marc Pröchel, der ebenfalls schon bisher dem Gremium angehört, anders als Jungmeier aber nicht zur Wiederwahl anstand.

Personelle Wechsel gibt es nicht nur bei den Kontrolleuren, sondern auch im operativen Geschäft. Der Vorstand der Raiffeisenbank Roth-Schwabach wird im Herbst von drei auf zwei Köpfe verkleinert. Denn Erwin Grassl geht Ende September in den Ruhestand nach dann 42 Jahren bei der Raiba. Als „gut organisiert, innovativ und immer am Puls der Zeit“ würdigte ihn Vorstandskollege Richard Oppelt, der erst im April in das Führungsgremium gerückt war.

Ganz an der Spitze der Genossenschaftsbank gibt es dafür Kontinuität: An Dr. Carsten Krauß gab es in der Vertreterversammlung nichts herumzumäkeln. Er führt, das machte Uwe Feser mehrfach deutlich, eine kerngesunde Bank, die dank einer starken und immer weiter verbesserten Eigenkapitalquote auch gut durch raue Zeiten kommen dürfte. Diese rauen Zeiten tragen vor allem zwei Namen: Negativzinsen – und Corona. Ersteres verhagelt den Banken seit Jahren die Margen. Letzteres dürfte zu einer gewaltigen Herausforderung für die gesamte Wirtschaft – und damit auch für die Raiba werden. „Noch sind die Rückstände 2020 im Vergleich zum Plan gar nicht so groß“, sagte Krauß. „Aber ich fürchte Spätfolgen. Nicht alle Unternehmen werden überleben. Wir werden viele Insolvenzen sehen.“

Nicht als Juniorpartner

Für die weltweite Pandemie kann natürlich niemand etwas, auch nicht die größte Genossenschaftsbank in Schwabach und im Landkreis Roth. Doch Corona ist nicht der einzige Punkt, der die ansonsten tadellose Jahresbilanz von Krauß trübt. Erst vor wenigen Wochen hat die Raiffeisenbank Roth-Schwabach die mit viel Tam-Tam angekündigte Fusion mit der Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen zur Raiffeisenbank Südfranken platzen lassen. Man sah sich im Laufe der Verhandlungen wohl immer weniger als Partner auf Augenhöhe, so war zwischen den Zeilen herauszuhören. Bei der neuen Bank wäre man – anders als bei der ebenfalls nicht zustande gekommenen Fusion mit der Raiba Altdorf-Feucht – nur Juniorpartner gewesen, weil Weißenburg-Gunzenhausen eine um 50 Prozent höhere Bilanzsumme hat. Jetzt will Roth-Schwabach (vorerst) eigenständig bleiben, die Digitalisierung vorantreiben, in der Kundenorientierung weiter zulegen und die Strukturen nochmal verschlanken. „Wir sind noch nicht fertig mit der Reise“, so Krauß.

An seiner Jahresbilanz hatten die Vertreter der Bankeigentümer nichts auszusetzen. Wie auch? Die Bilanzsumme knackte erstmals die Milliarden-Grenze (1,064 Milliarden Euro, plus acht Prozent). Rekordwerte gab es auch bei Kundenkrediten (660 Millionen Euro, plus zehn Prozent) bei der Verbund-Kreditbilanz (791 Millionen, plus elf Prozent), bei den Kundengeldern (820 Millionen, plus sieben Prozent), bei der Genossenschaftsverbund- Anlagebilanz (1,466 Milliarden, plus zehn Prozent), bei den Eigenmitteln (105 Millionen, plus neun Prozent) und Rücklagen (93 Millionen, plus zehn Prozent) sowie beim Gewinn vor Steuern (11,6 Millionen Euro). Wie schon in den vergangenen Jahren schnitt Roth-Schwabach besser ab als der Durchschnitt der Genossenschaftsbanken. „Wir gehören zu den wirklich ertragsstarken Häusern“, sagte Carsten Krauß nicht ohne Stolz.

Die Bank hat so viel verdient, dass sie locker wie im Vorjahr eine 3,5-prozentige Dividende an die Anteilseigner hätte ausschütten können. Doch die Bankenaufsicht Bafin hat solche Dividendenzahlungen in Corona-Zeiten untersagt, mindestens bis Oktober. Die Raiffeisenbank Roth-Schwabach griff deshalb zum Instrument des Gewinnvortrags. Rund 400 000 Euro, das entspricht der Ausschüttung bei einer 3,5-prozentigen Dividende, werden zurückgehalten – und höchstwahrscheinlich im nächsten Jahr ausgezahlt. Dann winkt den Anteilseignern eine doppelt so hohe Dividende. Der Rest des Jahresgewinns wandert in verschiedene Rücklagen. Das Fettpolster, erwirtschaftet in den guten Jahren, wird damit noch etwas dicker. Davon lässt sich auch in dürren Jahren ein bisschen zehren.