6. Schülerforum der Raiffeisenbanken im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach

Wohlbefinden vor Wachstum

„Glücksprofessor“ Karlheinz Ruckriegel spricht beim 6. Schülerforum

VON MANFRED STEINBERG

REDNITZHEMBACH — Bis auf den letzten Platz besetzt war die Red­nitzhalle beim Schülerforum des Genossenschaftsverbands Bayern mit den Raiffeisenbanken im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach. Pro­fessor Dr. Karlheinz Ruckriegel von der Technischen Hochschule Nürn­berg hielt vor 300 Gymnasiasten aus Schwabach, Roth und Hilpoltstein einen leidenschaftlichen Vortrag zur Thematik „Glücksforschung“. Er war nicht nur ausgesprochen informativ, sondern gleichzeitig auch ein Appell an Politik und Wirtschaft, die Voraus­setzungen für gesundes Führen mit fundierten Erkenntnissen aus der Glücksforschung zu schaffen.

Erwin Grassl, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Roth-Schwabach, zeigte sich angesichts der „absoluten Rekordzahl“ an Teilnehmern beim 6. Schülerforum hoch begeistert. Es sei wichtig und notwendig, „Schule und Wirtschaft“ sowie „Theorie und Pra­xis zu verzahnen“. Bürgermeister Jür­gen Spahl bezeichnete sich in seinem Grußwort angesichts der voll besetz­ten Halle „als glücklicher Bürgermeis­ter“ und stimmte die Zuhörer mit den Worten „Glück hängt nicht allein vom Geld ab“ auf das Referat von Profes­sor Ruckriegel ein.

Dieser kam schnell und ausgiebig mit wissenschaftlich fundierten Er­kenntnissen und Fakten zur Sache. Er machte gleich klar, dass es nicht um das so genannte „Zufallsglück“ geht, sondern um Glück im Sinne des sub­jektiven Wohlbefindens. Ruckriegel erläutert die Bereiche „Was Glück ist“, „Was Glücklichsein bringt“, „Was die Glücksfaktoren sind“, „Was das Wohlbefinden ausmacht“ und „Was sich gesellschaftlich und politisch tut“. Auch wenn „Glück bei uns selbst anfängt“, seien doch Politik und Wirtschaft gefordert, die richti­gen Voraussetzungen dafür zu schaf­fen. Letztendlich gehe es nicht darum, „Wachstum um des Wachstums wil­len“ zu realisieren, sondern um die Erhöhung des „Wohlbefindens“.

Im wissenschaftsba­sierten „Glückatlas“ der Deutschen Post (Stand 2014) wird die Lebenszu­friedenheit in Europa abgebildet. Da belegt Deutschland Platz zehn, Dänemark ist die Num­mer eins, während Grie­chenland auf Platz 30 liegt. Ruckriegel scheute sich nicht, Fehlentwick­lungen in der Wirtschaft schonungslos anzuspre­chen.

An Werten orientiert

Wurden noch im Jahre 2006 zum Entsetzen des Professors Eigenschaf­ten für Führungskräfte auf dem Weg zur Macht wie Rücksichtslosigkeit, Aggressivität, Siegeswil­len um jeden Preis und vieles Negative mehr in der FAZ als eine Art Gebrauchsanweisung für „Coaches von Führungskräften“ propagiert, hat sich das Anforderungs­profil an Führungskräfte zwischen­zeitlich geändert. Ruckriegel zitiert aus der Wertekommission und fordert mehr „werteorientiertes Handeln“, „Zurückgewinnung von verloren gegangenem Vertrauen“ und ethisch geprägtes Führungsverhalten.

Ruckriegel begründete, warum Unternehmen an der Zufriedenheit der Mitarbeiter nachhaltig interes­siert sein müssen und was dazu zu tun ist. Nach der jüngsten Gallup-Studie (Stand 2014) sprächen alarmierende Fakten dafür, dass hier noch ein enor­mer Handlungsbedarf besteht: Rund 70 Prozent der befragten Arbeitneh­mer haben nur eine geringe Bindung zu ihrem Arbeitgeber, 15 Prozent gar keine und nur bei 15 Prozent eine hohe Bindung.

Aber nicht nur die Unternehmen sei­en gefordert, auch jeder Einzelne solle für sich selbst Schlüsse aus den Erkenntnissen der interdisziplinären Glücksforschung ziehen. So hat der Professor ganz praktische Tipps zur Steigerung des persönlichen Wohlbe­findens: Das Führen eines „Dankbar­keitstagebuches“ wird die Sichtweise des Einzelnen positiv verändern. Das „Vermeiden von Grübeleien“ und stattdessen „Optimismus trainieren“ sind seine Botschaften.

Weiter komme es darauf an, sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten „realistische Ziele zu setzen“, „Flow­Effekte“ zu erleben und möglichst alles zu tun, was positive Gefühle begünstigt.

Der Professor brachte es auf den Punkt: Nicht wer hart arbeitet und reich wird, ist glücklich, sondern umgekehrt: „Wir sind erfolgreich, wenn wir glücklich sind.“ Dem Hauptvortrag folgten zwei Kurzreferate: Bankkaufmann und Ver­bundstudent (Betriebswirtschaft) Alexander Stitz von der Friedrich-Alexander Universität ging auf die Vorteile des Hochschulprogrammes der Volks- und Raiffeisenbank und deren Studienfinanzierung ein. Die Bankkauffrau und Raiffeisenlehrerin Kristina Demchenko erläuterte „Fi­nanz- und Wirtschaftstraining“.

 

Mit freundlicher Genehmigung des Schwabacher Tagblattes.