Starke Marke — tolles Team

Raiffeisenbank hat erfolgreiches Jahr hinter und große Projekte vor sich

VON CAROLA SCHERBEL

Leidenschaft, Begeisterung, Spaß — solche Vokabeln stellt die Raiffeisenbank Roth-Schwabach in den Mittelpunkt, wenn sie auf die Bilanz ihres zurückliegenden Geschäftsjahres schaut — und beim Blick nach vorn genauso. Denn nur mit Leidenschaft, Begeisterung und Spaß habe man die tolle Teamleistung erreicht: Ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 trotz schwachen Starts und schwieriger Lage mit Negativzinsen.

ROTH/SCHWABACH — "Das Zinsumfeld hat sich katastrophal entwickelt", bringt Dr. Carsten Krauß, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Roth-Schwabach das Dilemma der Geldpolitik ohne Umschweife auf den Punkt. Und: "Streng genommen müssten wir Geld zurückweisen." Denn einerseits wollen die Bankkunden jetzt langfristig Kredite abschließen — "mit Zinsgarantie am liebsten über 25 Jahre". Andererseits legen sie ihr Geld nur noch kurzfristig an. Sollten sich die Zinsen dann ändern, stecken die Banken mitten im Zinsänderungsrisiko, wie Vorstandsmitglied Erwin Grassl erläutert.

Gleichzeitig kritisieren die Raiba-Vorstände Krauß, Grassl und Fritz Meier die Geldpolitik der EZB massiv: "Sie führt zu einer Geldentwertung für unsere Kunden." Außerdem müsse die Politik — "die einzigen, die davon profitieren, sind die Finanzminister" — mehr Motivation für Altersvorsorge schaffen. "Altersarmut ist programmiert", glaubt Krauß, weil 50 Prozent der Menschen nichts für die Altersvorsorge tun.

Als weiteren Kritikpunkt schickt Meier "die überbordende Regulatorik" Richtung Politik. Und Krauß ergänzt: "Wir haben das beste Rating, werden aber genauso kontrolliert wie die Privatbanken — wir laufen wie mit einer Sträflingskugel am Bein herum." Trotzdem sei bei der Raiba Roth-Schwabach die Grundstimmung unter den 200 Mitarbeitern gut, das Jahr dank der Teamleistung gut abschlossen worden. Wie also findet die Bank ihren Weg aus den äußeren Zwängen? "Indem wir sehr gut zuhören, noch besser beraten und maßgeschneiderte Konzepte für unsere Kunden anbieten", sagt Krauß. "Wir verkaufen nichts von der Stange."

Mehr Kunden, mehr Mitglieder

Das Ergebnis könne sich sehen lassen: 1600 neue Kunden, das sei "ein gewaltiger Zuwachs", und 426 neue Mitglieder, sodass die Genossenschaft jetzt 13 605 Mitglieder zählt. Die Bilanzsumme der Raiba ist um 7,4 Prozent auf 895 Millionen Euro gewachsen, bei der Zinsspanne liege man mit einem Minus von 0,7 Prozent leicht schwächer als im Vorjahr, die Provisionsspanne ist um 2,2 Prozent gestiegen, die Betriebskosten gleich geblieben, vor allem aber habe man das Betriebsergebnis trotz der schwierigen Zeiten um 1,5 Prozent auf 9,8 Millionen Euro steigern können.

"Starkes Kreditgeschäft", "gutes Einlagengeschäft mit viel Zufluss im zweiten Halbjahr", ein ordentliches Plus an betreuten Anlagen (fast sechs Prozent mehr) und betreutem Kreditvolumen — zusammen knackt man damit die Marke von 1,8 Milliarden Euro. "Besonders bei Krediten ist es unser Ziel, die Kundenwünsche zu erfüllen", sagt Fritz Meier.

Trotzdem liege man mit der Eigenkapitalquote mit über 17 Prozent deutlich über den geforderten zwölf Prozent und sei mit Rücklagen gut gerüstet.

Gut gerüstet muss die Bank nämlich für mehrere Herausforderungen sein: Erster Kraftakt zu einem "Quantensprung" sei die geplante Fusion mit der Raiffeisenbank Altdorf-Feucht. Die Nachbarbank sei ebenfalls sehr erfolgreich, "zwei sehr starke Partner auf Augenhöhe" würden sich begegnen, von Personalbestand und Größe her sei die Zusammenführung "mehr als vielversprechend". Mit einer Betriebsgröße von 1,4 Milliarden Euro liege man dann "genau im Zielkorridor", prognostizierte Krauß.

Erste Wahl sei natürlich eine Landkreisbank gewesen, "aber wir haben keinen Konsens gefunden", gesteht Krauß. Mit den Altdorfer Kollegen sei auch die Verkleinerung des Vorstands von fünf auf drei, langfristig sogar zwei realisierbar. Und: "Den Standort geben wir nicht preis." Zweiter Teil des Quantensprungs: In Schwabach entsteht direkt an der Autobahnzufahrt gerade das mehrstöckige Raiffeisen-Center. Der Grundstein für den Komplex wird in den nächsten Wochen gelegt, bis Ende 2018 soll das Gebäude stehen. Allerdings, so schränkt Krauß ein, werde keine Verlagerung dorthin stattfinden, "es geht nur um einen Umzug aus der Schwabacher Innenstadt dorthin".

Trotz des guten Ergebnisses und der Neuerungen glauben die Raiba-Vorstände, dass die Niedrigzinsphase noch lang dauert, dass man also "den Gürtel noch enger schnallen muss". Krauß‘ Prognose: "Die Betriebsergebnisse werden noch deutlich abschmelzen." Aber es würden keine weiteren Filialen geschlossen (nach dem Aus für Regelsbach und der Umwandlung zur SB-Filiale in Wassermungenau) und niemand entlassen. Anträge zur Altersteilzeit würden jedoch in der Regel positiv beschieden, sodass das Abschmelzen um zehn Prozent mit der natürlichen Fluktuation einhergehe.

Gleichzeitig schreite die Digitalisierung voran — und koste auch einiges, weil "viele Kunden eine 24-Stunden-Bank haben wollen". Trotzdem will die Raiba von Gebühren auf Abhebungen am Bank-Automaten nichts wissen: "Wir haben auch künftig die kostenlose Bargeldabhebung." Für machbar halten die Raiba-Vorstände diese Ziele, weil ein tolles Team daran arbeite. Und: "Wir sind eine starke Marke."