Chancen und Risiken

Unternehmer-Netzwerk der Raiffeisenbank

VON ROBERT SCHMITT (mit freundlicher Genehmigung des Schwabacher Tagblattes)

REDNITZHEMBACH — Gravierende Veränderungen wirtschaftlicher Strukturen als Folge von Digitalisierung und Vernetzung hat Prof. Dr. Thomas Meuche beim Unternehmernetzwerk der Raiffeisenbank Roth-Schwabach im Rednitzhembacher Gemeindezentrum prognostiziert.

„Die Digitalisierung bietet Chancen und Risiken zugleich, denn sie erfordert die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, weil klassische Technologien immer weniger wert werden“, so Meuche, der an der Hochschule in Hof Finanzmanagement lehrt und Unternehmen bei der Strategieentwicklung berät. Insbesondere der Online-Handel, so der Referent, werde weiter wachsen und seinerseits die Veränderung und Neuentwicklung von Geschäftsmodellen beeinflussen.

 

Weitere Konzentration

„Konzentration und Atomisierung“ lautete einer der Untertitel, mit denen sich Meuche den absehbaren Veränderungen im Geschäftsleben zu wandte. Zunehmender Preisdruck und „Single Sourcing Strategien“ in Verbindung mit einer stärkeren Internationalisierung würden zu weiteren Konzentrationen führen. Insbesondere die Zahl der Unternehmen mittlerer Größe werde schrumpfen. Gleichzeitig werde aber die Zahl von lokal agierenden Kleinstunternehmen und hoch spezialisierten Nischenanbietern steigen.

Eine rasante Entwicklung sagte Meuche der Elektromobilität voraus. „Auf dem Gebiet wird sich Ähnliches abspielen wie bei der analogen und der digitalen Fotografie“, wagte er vorauszusagen. „Das Auto mit Verbrennungsmotor und hohem Statuswert verliert an Bedeutung.“ Es sei abzusehen, dass sich die Strukturen der Automobilindustrie – bedingt durch neue Technologien – grundlegend ändern.

Ein deutliches Zeichen sei die Tatsache, dass große IT-Unternehmen wie Apple und Google in den Automarkt einsteigen. Zugleich nannte er aber Bedingungen. „Elektromobilität macht nur Sinn in der Kombination mit regenerativer Energie und intelligenten Stromnetzen“, so Meuche.

„Unternehmen müssen permanent ihr Geschäftsmodell hinterfragen“, lautet Meuches Ratschlag in Richtung der vielen Mittelständler aus der Region, die beim Unternehmernetzwerk der Raiffeisenbank regelmäßig zu Gast sind. „Sie müssen die Veränderung initiieren und die entsprechende Kultur in ihrem Unternehmen schaffen“, appellierte er an die Chefs, „denn der Wandel muss in den Köpfen stattfinden“.

Carsten Krauß, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Roth-Schwabach, versicherte, die hiesigen Firmen auf diesem Weg nachhaltig unterstützen zu wollen.

Bei einer Talkrunde kamen zwei ganz unterschiedliche Unternehmer aus der Region zu Wort. Wolfgang Braun, Chef eines Autohauses im Abenberger Ortsteil Wassermungenau, schilderte die aus seiner Sicht bedeutsamen Rahmenbedingungen bei der Zusammenarbeit mit einem Geldhaus. „Mir ist der menschliche Kontakt ganz wichtig und dass die Bank nicht nur in guten Zeiten zu mir steht“, sagte Braun.

Wolfgang Lösch von der weltweit agierenden Leoni-Kabel in Roth, sah die weitere Digitalisierung im Auto und das autonome Fahren mit Verbrennungs- oder Elektromotor als Wachstumschancen für sein Unternehmen.

Wolfgang Lösch erregte an diesem Abend allerdings als Musiker mindestens ebenso viel Aufsehen wie als Chef der großen Leoni-Außenstelle in Roth. „Raiba Night“ hatte er das Lied aus eigener Feder genannt, mit dem er als Gitarrist neben einem Saxophon die Veranstaltung in echtem Fränkisch auf ebenso heitere wie treffende Weise beschrieb. „Zwaa im Weckla“ nannte sich das Duo, das krankheitsbedingt geschrumpft war. Löschs Musikkombo tritt sonst nämlich als „Drei im Weckla“ auf.